Fasnacht
Wie fast überfall, so wurde auch bei uns im Mutterhaus die Fasnacht gefeiert. Am Schmutzigen Donnerstag kam die Überraschung: Während unseres Mittagessens wurde verkündet, dass wir nun zwei gelernte Servicefachfrauen aus Flims zu Besuch hätten. Ihre Namen waren: Rapunzel und Aschenbrödel. Vor lauter Lachen konnten wir uns fast nicht mehr halten, denn erst nach und nach bekamen wir heraus, dass diese beiden unser Chefkoch und der Chef vom Technischen Dienst waren. Dies war eine ausgeklügelte Sache, denn die beiden verteilten uns Esswaren, die genau auf unsere Geschmäcker abgestimmt waren. So erhielt z.B. eine Schwester Pommes mit Ketchup, ein andere riesengrosse Meringues und wieder eine andere ein Rechaud zum Verfertigen von echter Bündner Polenta.

Bereits am Nachmittag ging unsere Fasnachtsvorstellung weiter. Unser Refektor war durch die buntesten Farben belebt: Ballone, Fotos und auf Papier geschriebene, treffende und auch sinnvolle Sprüche. Bei einem gemütlichen Zvieri trafen sich ebenso Buntverkleidete wie Mitfeiernde zu einem Schwatz, Musik und Tanz. Und was noch nicht zum Besten gegeben wurde, hatte in den nächsten Tagen bis vor Beginn der Fastenzeit noch Platz. Es kam nämlich vor, dass manch eine während dem Mittagessen mit herzlicher Freude und Lust am Erschrecken die Ballone mit einer Stecknadel stach.
Übergänge
Mit dem Aschermittwoch endete die Narrenzeit und liess mich wieder mit besinnlicheren Themen umgehen. Für den ersten Fastensonntag gestaltete ich zusammen mit einer Mitschwester eine Meditation um 14 Uhr in unserer Klosterkirche. Denn jeden Fastensonntag werden stündlich verschiedene Schwestern Impulse von 14 Uhr bis zur Vesper um 17.55 Uhr vortragen. Ich hatte Freude, dass wir als erste beginnen und den Gebetsnachmittag einstimmen durften.

Während der stillen Zeit betrachtete ich immer wieder das diesjährige Fastentuch an der Wand rechts neben dem grossen Kircheneingang. Mein Platz in der Kirche ist der ideale Ort, um mich auch während anderen Gebetszeiten und Gelegenheiten mit dem Fastentuch auseinanderzusetzen. Es ist für mich ein erneutes Überdenken und Bewusstwerden meiner Lebensführung und –Einstellung, wie es auch schon ähnlich in der Adventszeit war. Ich bin froh um diese Tage und Impulse, denn sie verhelfen mir durch das Ordnen meiner Gedanken, Gewohnheiten und Idealen zur inneren Sammlung. Dies zumindest ist so etwas wie mein Vorsatz für diese vierzig Tage. Sr. Silvia
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