Ein Jahr Schweizergardist!
Seit Februar 2008 bin ich in der Ewigen Stadt. Das bedeutet Halbzeit.
Wenn ich an das vergangene Jahr zurückdenke, kommen viele Erinnerungen auf. Ich erinnere mich an die schweren letzten Minuten, als ich vor einem Jahr am späten Abend in den Nachtzug nach Rom gestiegen bin, an die Nervosität vor meinem ersten Diensttag, an die Vereidigung im Damasushof, an die vielen energischen römischen Klosterfrauen, die sich auch von einem Zweimeter-Gardisten nur unter äusserstem Protest auf Plätze mit vermeintlich ungenügender Papst-Sicht weisen lassen, den kleinen Plüsch-Koalabär, den mir ein Junge aus Australien auf einem Dienstposten geschenkt hat, die vielen Besucher aus aller Welt, Japaner, Polen, und Amerikaner, aber auch christliche Palästinenser, Kopten , Amish-People, Juden, Muslime und Inder. Immer wieder ergeben sich sehr interessante Begegnungen.
Und natürlich gab es auch da und dort kleine Pannen und lustige Situationen, die den Gardealltag auflockern: Harmlose Verwechslungen, sprachliche Missverständnisse, skurrile Funksprüche etc.

Aber das Gardistenleben kennt auch seine schwierigeren Augenblicke: Schlechtes Wetter, Hitze, Kälte, unregelmässiger Schlaf, stundenlanges Stehen und ungemütliche Situationen mit respektlosen oder psychisch verwirrten Besuchern. Dennoch fand ich die Gardezeit bisher eine sehr positive Erfahrung, die ich jederzeit wieder machen und weiterempfehlen würde, und ich bin überzeugt, dass das auch im zweiten Jahr so bleiben wird.
Stefan Wyrsch
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