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Ihr sagt: wir haben üble und elende Zeiten. Lebt recht, denn durch ein gutes Leben ändert ihr die Zeiten.
Augustinus

Samichlaus und Weihnachten im Vatikan - so war das...

Fast alle Gardisten feiern in Rom das erste Advent und Weihnachten ohne ihre Familien. Trotzdem lassen einem natürlich die eigenen Bräuche und Traditionen von zu Hause nicht ganz los. Da gibt es einige Gardisten, die ihre Zimmer, Fenster und Türen sehr aufwändig dekorieren, andere die sich Weihnachts-Guetzli von Mama daheim liefern lassen und solche, die in ihren Zimmern gar mit Weihrauch experimentieren und damit nicht bei allen nur weihnachtliche Gefühle auslösen.

Allen bekannt ist natürlich der Samichlaus, der in der Vorweihnachtszeit auch bei uns einige Peinlichkeiten und Fehltritte der Gardisten aus dem vergangenen Jahr zu tadeln hatte. Aber auch die hohen Würdenträger des Vatikans wurden von diesem schönen Schweizerbrauch nicht verschont und sogar dem Papst persönlich musste die Frage natürlich gestellt werden: " Waren Sie auch schön brav, Heiliger Vater?" Natürlich bekamen anschliessend auch alle ihr verdientes Chlaussäckli mit Nüssen, Mandarinen und Lebkuchen.

Wir Gardisten können Heilig Abend eigentlich nicht sehr besinnlich und in Ruhe feiern. Unser Dienst muss auch am 24. Dezember geleistet werden, wie übrigens auch an Ostern und Silvester und allen anderen Nächten im Jahr, in denen es etwas zu feiern gäbe. Wer nicht den gewöhnlichen Dienst an den Vatikaneingängen oder im Palast leisten musste, wurde zur feierlichen Mitternachtsmesse mit dem Heiligen Vater aufgeboten. Auch in dieser Nacht müssen die Pilger in die richtigen Sektoren gewiesen, verlorene Gruppen zusammengeführt und psychisch Verwirrte vom Papst ferngehalten werden.
Und trotz der Arbeit ist es ein eindrückliches Erlebnis, Heilig Abend im Petersdom mit dem Heiligen Vater zu feiern. Ich selber hatte an diesem Abend mit drei anderen Kameraden die schöne Aufgabe, als Ehrenwache beim Altar des Petersdomes zu stehen.

Alle Gardisten, die während solchen Nächten im normalen Dienst stehen, können sich jeweils über einen kleinen Besuch unseres Kaplans auf ihren Posten freuen, der mit Guetzli und warmen Getränken auch da weihnachtliche Stimmung verbreitet.
Erst am Abend des 25. Dezembers, als der intensivste Teil mit Messen und dem berühmten "urbi et orbi"-Segen vorbei war, fanden auch die Gardisten endlich Zeit, Weihnachten im etwas persönlicheren Rahmen zu feiern. Unser Gardekaplan organisierte eine gemütliche Weihnachtsfeier, natürlich auch mit kleinen Geschenken für alle. Die Jüngsten Mitbewohner unserer Kaserne, die Kinder der Offiziere, Wachtmeister und Korporäle, gaben zur grossen Begeisterung der Gardisten deutsche und italienische Weihnachtslieder zum Besten. Somit kam auch bei uns ein schönes, familiäres Weihnachtsgefühl auf.

von Stefan Wyrsch

 





 
 
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