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Nun bin ich also schon beinahe zwei Monate hier in Cazis und habe schon so viel erlebt, dass ich ein ganzes Buch schreiben könnte. Damit ihr aber nicht gleich ein Buch lesen müsst, möchte ich euch hier nur ein paar Ausschnitte aus meinen ersten Wochen im Kloster erzählen:
Der Eintritt Direkt aus den Ferien im Wallis kam ich am besagten 7. August nach Cazis. Es war eine Reise durch die ganze Schweiz, die mich in meine zukünftige Heimat brachte, begleitet von den Menschen, die mir in den letzten zwei Jahren am nächsten waren. Während der Fahrt war ich sehr nervös und mir gingen viele Gedanken und Fragen durch den Kopf. In Cazis angekommen gab’s dann zuerst einmal Zvieri, bevor ich mich in den schwarzen Jupe und die weisse Bluse stürzte, die Kleider, die ich jetzt immer fürs Gebet und am Sonntag trage. Während der Vesper sass ich zuerst bei meinen Freunden im Gästebereich. Nach den Psalmen gingen die Priorin und ich in den Altarraum. Sie sprach ein Gebet und hängte mir das Kreuz um, das ich im Postulat als Zeichen der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft trage. Dann nahm sie mich mit zu den Schwestern und ich liess sozusagen meine Freunde im Gästebereich zurück. Das war eine starke Erfahrung.
Der folgende Tag, mein erster Tag im Kloster, war dann gerade ein grosses Fest: Das Fest des Heiligen Dominikus, und es bedeutete mir sehr viel, gerade noch rechtzeitig angekommen zu sein, um das Fest unseres Ordensgründers gemeinsam mit den Schwestern feiern zu dürfen.
Ein steiler Einstieg ins Ordensleben
Schon zwei Tage später durfte ich mit einigen Schwestern ein Wochenende auf der Alp verbringen. Zu unserem Kloster in Bludenz, sozusagen unserer Filiale im Vorarlberg, gehört eine Alp, auf der die Jäger einen Alpgottesdienst organisierten. Natürlich durfte eine Delegation von Schwestern nicht fehlen. Da der Aufstieg zu dieser Alp sehr steil und mühsam ist, beschlossen wir, schon am Vorabend aufzusteigen und dort zu übernachten. In der benachbarten Jägerhütte verbrachte ein Jäger die Nacht, der uns einen lustigen Abend mit Jägergeschichten und Wein bescherte. Für den Gottesdienst am nächsten Tag wagten erstaunlich viele Bludenzer den steilen Aufstieg. Wer die Schar, die da während der Messe in der Wiese sass, betrachtete, dachte unweigerlich an die Bergpredigt in der Bibel.

Ein runder Geburtstag Eigentlich feiern wir den Geburtstag hier nicht besonders. Der Namenstag ist für uns wichtiger. Aber einen runden Geburtstag können auch wir nicht einfach so vorbeiziehen lassen. Am 14. August, meinem 30. Geburtstag, fand ich schon am Morgen früh vor meinem Zimmer eine Karte, Blumen und ein brennendes Kerzchen und im Konvent, dem Raum, wo wir essen, war mein Platz schön dekoriert. Nach dem Frühstück kamen die Schwestern und gratulierten mir persönlich zum Geburtstag. Nachmittags hatte ich frei. Am folgenden Sonntag wurde dann nochmals gefeiert: Nach dem Mittagessen bekamen wir ausnahmsweise einen Dessert, für mich besonders festlich angerichtet. Die vielen kleinen und grossen Zeichen, die mir zu verstehen gaben, dass ich so vielen Menschen wertvoll bin, berührten mich sehr.
Jugendwallfahrt nach Ziteil
Seit einigen Jahren schon führen wir jeweils im August eine Jugendnachtwallfahrt nach Ziteil durch, dem höchstgelegenen Marienwallfahrtsort Europas. Mit den Autos fuhren wir zur Alp Munter und nach einer kleinen Einführung über den Wallfahrtsort zogen wir los. Unterwegs war Zeit für kurze Impulse, gemeinsames Gebet, Schweigen und Austausch. Oben angekommen, stärkten wir uns mit einer Suppe, bevor es mit einer Anbetungsstunde weiterging. Nach einer kurzen Nacht und einem wunderschönen Sonnenaufgang trafen die Leute der Gemeinde ein, die erst am Morgen früh bei der Alp Munter aufgebrochen waren. Mit ihnen zusammen feierten wir das Morgenlob und die Hl. Messe. Mir machte es Freude, diesen Gottesdienst gemeinsam mit anderen musikalisch zu gestalten.
Manuela
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