Seit der Papst in Castel Gandolfo weilt, ist der Dienst für uns Gardisten, die im Vatikan geblieben sind, merklich ruhiger geworden. Natürlich sind auch einige Gardisten bei ihm in der Sommerresidenz. Aber ich habe den römischen Sommer hier in der Stadt ausgesessen. Und der hats so richtig in sich! Die Temperaturen sind auch nachts wochenlang nur kaum unter 30 Grad gefallen, was richtiger Regen ist, weiss eigentlich keiner mehr von uns und eine kühle Brise, die den feucht-heissen Stadtkessel mal ordentlich auslüften würde, gibt’s nicht. Das mag für manchen Schweizer jetzt eigentlich gar nicht so übel klingen, macht einem Gardisten auf Dauer aber doch ein wenig zu schaffen. Die schönen Uniformen sind eben nicht das, was man sich unter einem idealen Sommertenue vorstellt. Man trägt quasi immer seine persönliche Sauna im Dienst.
Jedoch haben sich die Gardisten nach Möglichkeit damit arrangiert. So verbringen die meisten ihre Freizeit entweder am Strand, in den kühlen Bergen oder doch mindestens in der Nähe der nächsten Klimaanlage. Der Abend ist die Tageszeit, welche noch am erträglichsten scheint und wird daher umso ausgiebiger zelebriert. Da werden Schweizer Würste auf den Grill geworfen (italienische Küche ist wirklich gut, aber die Würste sind ein kulinarischer Tiefschlag
.) und mit kühlem Bier angestossen. Voilà, ein kleines Grillfest steigt im Vatikan und die Strapazen des Tages sind schon beinahe wieder vergessen.
So ungefähr haben wir die letzten drei Monate überstanden. Alle sind froh, dass die schlimmste Hitze nun scheinbar vorüber ist. Am vergangenen Mittwoch fand auch wieder die ersten Papstaudienz nach der Sommerpause statt. Die grosse Audienzhalle im Vatikan war übervoll mit Pilgern und Besuchern und ich bin gar nicht unglücklich darüber, dass der Betrieb hier in Rom nach der Gluthitze wieder langsam ins Rollen kommt.
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