Roger Decurtins:
Mehr als eine Woche Rekrutenschule ist nun vergangen. Der Garde Alltag wir langsam zur Gewohnheit. Der Tagesablauf beginnt mit der Tagwache um 06:30, nach einem gemeinsames Frühstück in der Mensa, werden die Zimmer auf Hochglanz gebracht. Nach einer ausgiebigen Zimmerinspektion von einem Korporal oder höheren Unteroffizier, beginnt für die einen der Italienisch-Kurs, und für die anderen das Exerzieren, mit oder ohne Hellebarde. Jeweils nach dem Mittagessen erkunden wir gemeinsam die verschiedenen Dienstposten der Schweizergarde im und um den Papstpalast. Uns wurden auch Büros und die Mitarbeiter wie die Präfektur, Apostolische Kammer, Liturgiebüro, etc. ausgiebig erklärt. Wir staunten aber auch nicht schlecht als wir die verschiedenen Säle mit den wunderbaren Fresken sahen.
Michael Jäggi: Und schon ist die erste Woche Geschichte! Der Alltag hat begonnen, wir sind meistens den ganzen Vormittag mit Exerzieren unter der Leitung von Korporal Breitenmoser oder dem Italienisch-Kurs bei Suor Adalbert beschäftigt. Am Nachmittag wird der Wachtbefehl unter die Lupe genommen und wir lernen die verschiedenen Dienstposten kennen. Auch ein grosses Wissen über die Persönlichkeiten, den Zugang zum Apostolischen Palast haben ist unerlässlich. Es sind grosse Erwartungen die an uns gestellt werden. Dementsprechend sind wir am Abend froh, wenn man noch kurz an den Tiber gehen kann um einige Meter zu rennen oder wenn man einfach Mal während einem Kartenspiel mit den Kameraden über andere Dinge als den Dienst quatschen kann. Ende Woche gilt es, den Test Niveau 1 zu bestehen. Eine Mischung aus Dienstbetrieb und Personenkenntnis. Nach dieser Hürde können wir den Wohlverdienten Sonntag geniessen. Sei dies mit Schlafen, Pizza essen oder ähnlichem!
Nächste Woche stehen die Exerzitien an. Eine Art geistiger Rückzug. Ich bin gespannt, wie das wohl werden wird. Manche sagen, dass man diese Tage in absoluter Ruhe verbringt andere meinen, es gäbe die Möglichkeit miteinander auszutauschen. Da dies meine ersten Exerzitien sein werden, habe ich also keine Ahnung was mich erwartet! Freue mich aber auf alle Fälle schon sehr darauf!
Stefan Wyrsch:
Seit bald zwei Wochen bin ich nun in der ewigen Stadt. Die Taschen sind ausgepackt und man hat sich bereits mal vor der Haustüre umgesehen. Ich kann noch nicht behaupten, ich hätte mich ganz eingelebt. Ich fühle mich aber inzwischen sehr wohl hier. Obwohl ich eigentlich nicht ganz optimal ins Gardeleben gestartet bin. Noch wenige Tage vor der Abreise habe ich mir zum Abschied eine Grippe eingefangen und bin hier ziemlich auf den Felgen angekommen. Meinen ersten freien Sonntag verbrachte ich nicht wie geplant auf Stadtrundfahrt, sondern mehrheitlich im Bett. Als am Montag das erste Exerzieren auf dem Programm stand, hat es mich dann auch prompt nach weniger als einer halben Stunde stillstehen aus den Socken gehauen.
Inzwischen bin ich aber glücklicherweise wieder auf dem Damm und ich hab das Exerzieren mit Korporal Breitenmoser schon richtig lieb gewonnen. Meine Hellebarde – ich nenne sie "Berta" – hab ich zwar noch nicht ganz so im Griff wie ich mir das wünsche, aber wir machen gemeinsam täglich kleine Fortschritte.
Auch den Stadtrundgang habe ich inzwischen nachgeholt. Das Leben in dieser Stadt hat seinen ganz eigenen Rhythmus. Vielleicht macht aber auch gerade dies einen grossen Teil der Faszination aus. Und der wahrscheinlich spannendste Ort in ganz Rom ist der Vatikan. Menschen aus allen Teilen der Welt strömen hier zusammen. Jedes sonntägliche Angelusgebet wird begleitet von einem ungeheuren Auflauf von abertausenden Menschen. In diesem Menschenmeer zu stehen und gemeinsam zu beten ist ein unbeschreibliches Gefühl. Die nächsten Tage werden wir etwas ausserhalb Roms Besinnungstage halten. Eine gute Gelegenheit, ein wenig tiefer in diese Welt einzutauchen und die vielen Eindrücke in sich etwas setzen zu lassen.
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