|
Am 1. Februar haben unsere drei neuen Schweizergardisten den ersten Tag im Dienst. Die Reise ist gebucht und die Billette sind bereit. Der Abschied fällt nicht leicht, schliesslich ist Rom nicht gerade um die Ecke. Ein anderes Land, andere Sprache, andere Leute...alles neu! Michael und Stefan verraten uns was sie am meisten vermissen werden und wie sie die Zeit bis zur Abreise nutzen...
Roger Decurtins: Die Nervosität steigt… Bald geht es los! Ich hätte nicht geglaubt, dass ein 2 - jähriger Auslandeinsatz noch so viel Vorbereitungs-Arbeit gäbe: Nach einer ausgiebigen Abschlussfeier mit meinen Arbeitskollegen bis in die frühen Morgenstunden und dem letzten Arbeitstag am 26. Januar, kam die grosse Arbeit vom Umzug meiner Dienstwohnung in St. Moritz zu meinem Elternhaus in Alvaschein. Stress pur, vor allem weil die Vermieterin eine sauberere Wohnung wollte, wie ich sie damals antraf.Es mussten noch einige staatliche Papiere in Ordnung gebracht werden: Pass, Heimatortbestätigung, militärischer Auslandurlaub. Lästig war vor allem die Zahnarzt-Kontrolle.Mit besonders grosser Freude habe ich den obligatorischen schwarzen Anzug eingekauft und einen dazu passenden Mantel. Aber es muss natürlich noch einiges mehr mit nach Rom. Ausser der militärischen Schutz-maske, weitere Utensilien, die man halt so braucht für zwei Jahre… Und als ich die ganze Ware in die grosse Sporttasche einpacken wollte, merkte ich, dass diese viel zu klein war. Also kam ich noch zu einem neuen Reise-Koffer ;-) !
Und dann kam noch dies: Ich staunte, wie viele Menschen von meiner neuen Karriere wussten und mir zu diesem Schritt gratulierten und mir alles Gute wünschten. Sogar der Pfarrer hat mich in der Abschieds-messe vom vergangenen Dienstag erwähnt und die versammelten Gläubigen haben für mich gebetet. Beim Coiffeur war ich auch noch, schliesslich will ich ja der Schönste sein. Mit Freude erinnere ich mich an die spezielle Begegnung mit einem RhB-Kondukteur, der von seinen eigenen Erfahrungen seines Ökonomie-Studiums in Rom erzählte und mir die Vorteile bestätigte, die ein solcher Aufenthalt mit sich bringt: die Offenheit für Neues, eine Lebenschule, die Kultur und Sprache kennen lernen… Nicht umsonst heisst das Motto der Schweizergarde: "tapfer und treu". Ich bin überzeugt, dass ich nicht nur religiös, sondern auch menschlich einiges dazu lernen kann.
Jetzt mache ich Schluss, denn morgen Donnerstag Abend, fahre ich mit meinen Eltern nach Zürich, wo wir die so genannte "Henkermahlzeit" einnehmen, bevor der Zug um 21.27 Uhr Zürich verlässt. Und wenn ich aussteige, bin ich schon in Rom. Viva il Papa! Olé! -----------------------------------------------------------
Michael Jäggi: Noch wenige Tage sind es, bevor ich den Dienst mit meinen Kameraden in Rom antrete! Was soll man da sagen? Auf der einen Seite freue ich mich wahnsinnig, mich diesen Herausforderungen zu stellen, auf der anderen Seite denke ich an Familie, Kollegen und Freunde, welche ich zu Hause lassen muss. Vor kurzem habe ich ein gutes Zitat gelesen, welches meine Situation sehr deutlich beschreibt: "Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut!" Es ist schon seit langer Zeit mein Wunsch in die Garde einzutreten. Jetzt wo es soweit ist denke ich aber auch an die Zeit welche ich nicht mit Familie und Freunden verbringen kann. Ich werde Leuten den Rücken zuwenden, welche ich erst seit kurzem richtig kennen und lieben gelernt habe. Diese Tatsache schmerzt mich. Wenn ich aber daran denke, was für tolle Erfahrungen ich in der Garde machen werde (und davon bin ich überzeugt!), freue ich mich trotzdem auf den Abschied und nehme den Schmerz gerne in Kauf! Ich werde "alte" Kameraden von der Offiziersschule wieder sehen, neue Leute kennen lernen und mich mit ihnen gemeinsam den neuen Aufgaben widmen! Den Entscheid, Dienst in Rom zu leisten, bereue ich keinen Augenblick! Jetzt bleibt mir nur noch die wenigen Tage zu Hause zu geniessen und mich von Freunden Bekannten und Verwandten zu gebührend zu verabschieden. Es ist kein Abschied für immer aber doch für eine gewisse Zeit! -----------------------------------------------------------
Stefan Wyrsch: Der Countdown zur Abreise läuft… Manchmal gar etwas schneller als mir lieb ist. Dies und jenes will noch organisiert sein, bevor man sich verabschiedet. Immerhin geht man ja nicht eben mal in Urlaub! Die Gemeinde will die letzten Steuern, alle Rechnungen müssen bezahlt werden, viele Verwandte, Bekannte und Freunde müssen unbedingt noch angemessen verabschiedet werden… Adressen austauschen etc. Das alles hält einen ganz schön auf Trab. Kommt noch dazu, dass vor der Abreise auch medizinisch alles im grünen Bereich sein muss. Dies hat mir in den letzten Tagen noch den einen oder andern Besuch beim Zahnarzt beschert. Eine Spezies, mit der ich nie wirklich Freundschaft geschlossen habe.
Am Montagmittag bekam ich auch noch einen Anruf meines Militär-Kommandanten. Man "vermisse" mich. Warum ich nicht in den WK eingerückt sei? Einen Moment lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Ich hatte mich bei der Armee doch ordentlich abgemeldet und mich noch hämisch darüber gefreut, dass ich ins frühlingswarme Rom verreisen kann, während meine Kameraden am WEF im tief verschneiten Davos WK leisten müssen. Immerhin, nach einigen Telefonaten erklärte mir die freundliche Dame vom Kreiskommando, dass meine Dispens irgendwo in den langen Kanälen der Armee untergegangen sei. Sie werde das regeln und ich müsse keine Angst haben, dass mich am Ende noch die Militärpolizei unsanft von meiner Reise nach Rom abhalten werde. So rücken also meine letzten Tage hier in der Schweiz immer näher. Trotz noch mancher Unsicherheit: Die Vorfreude ist gross und wird von Tag zu Tag grösser! Was noch vor wenigen Wochen recht weit weg schien, ist bald Realität.
|